Heilkräuter-Tinkturen

Februar 23, 2020

Heilkräuter-Tinkture

Die Volksmedizin ist wie eine große Truhe voller Wissen, eingesammelt von unseren Vorfahren. Dieses Wissen wurde aus alltäglichem Leben in der Natur gewonnen, da ihr Überleben davon abhing. Werfen wir einen Blick in die Welt der Heilkräuter-Tinkturen und lernen etwas über deren Zubereitung.

In der Natur finden wir zahlreiche Heilkräuter, aus denen viele verschiedene Präparate vorbereitet werden können. Schon ein einfacher Spaziergang durch die weiten Felder, Wiesen und Wege fasziniert uns Menschen immer wieder. Die Heilung mit Heilkräutern führt jedoch zu Erfahrungen, die einen Menschen verwandeln und stärken. Heutzutage steht uns eine nahezu unbegrenzte Menge an Daten über die Volksmedizin und die Kräuterheilkunde zur Verfügung. Wir müssen nur den ersten Schritt machen und anfangen zu lernen, was normalerweise ein Leben lang dauert. Schon ein Schluck Kräutertee oder ein winziger Tropfen Tinktur können uns die Tür zur Welt der Heilkräuter öffnen.

Die meisten beginnen mit der Herstellung einfacher Kräuterpräparate, verlieren sich jedoch schnell in der Nomenklatur, Maßeinheiten, Heilwirkungen, historischen Forschungen und anderen Hürden und Herausforderungen, mit denen sie auf ihrer Lernreise konfrontiert werden. Oft tretet auch ein Problem bei den Tinkturen auf, da sie in der Literatur unterschiedlich bezeichnet werden und die Gesetzgebung sie mit synthetischen Drogen in einen Eimer wirft und diese auch oft gesetzlich verbietet. Unsere Vorfahren waren nicht viel weniger gebildet als wir, und haben es auch geschafft, sie vorzubereiten. Sie hatten keine Wahl zwischen synthetischen Versionen, verwendeten sie aber trotzdem, erholten sich und überlebten. Das können wir auch. Wir müssen uns jedoch darüber im Klaren sein, dass die bestehende Gesetzgebung Tinkturen automatisch als Arzneimittel betrachtet, und dies muss beim Verkauf berücksichtigt werden. Wenn wir sie nur für unseren eigenen Gebrauch verwenden, haben wir jedoch kein Problem mit gesetzlichen Bestimmungen und möglichen Sanktionen, falls wir gegen diese verstoßen.

Alle Tinkturen sind Extrakte, jedoch sind nicht alle Extrakte Tinkturen

Die Tinktur ist ein Kräuterextrakt, bei dem Alkohol die Rolle des Lösungsmittels spielt. Wenn Wasser, Essig, Glycerin oder ein anderes synthetisches Lösungsmittel als Lösungsmittel verwendet wird, handelt es sich um einen Extrakt und nicht um eine Tinktur. Natürlich gibt es hiervon Ausnahmen, und zwar bei Essig, wo eine Essigtinktur entsteht, und bei Glycerin, wo Glycerit entsteht. Alkohol spielt die Rolle des Lösungsmittels, das das Gelöste löst und bindet. In unserem Fall sind dies die aktiven Wirkstoffe in Heilkräutern. Tinkturen haben mehrere Vorteile gegenüber anderen Kräuterpräparaten:

  1. Alle im Alkohol oder Wasser löslichen Inhaltsstoffe lösen sich im Extrakt. Nicht nur die Zellulose der Zellwand und die daran haftenden Gewebe lösen sich auf.
  2. Alkohol ist ein Konservierungsmittel. Andere Kräuterpräparate enthalten viel Wasser, und Wasser ist ein Medium, in dem Bakterien und Schimmelpilze gedeihen. Produkte mit mindestens 30% Alkohol (60 Proof) haben eine längere Lebensdauer.
  3. Der Tinkturvorbereitungsprozess selbst konzentriert die Heilwirkung auf ein geringeres Flüssigkeitsvolumen.

Tinkturen müssen professionell vorbereitet werden, in der Regel in Übereinstimmung mit Apothekenbüchern, die die genaue Stärke des Alkohols und das Verhältnis zwischen dem Alkoholgehalt und der Menge an Heilkräutern angeben. Pharmazeutische Tinkturen sind alkoholische Lösungen, die durch Auflösen von Kräutermaterial in Alkohol, Glycerin oder Essig hergestellt werden. Am häufigsten wird Ethanol oder eine Mischung aus Wasser und Ethanol verwendet. 

Die UPS (United States Pharmacopeial Convention), eine wissenschaftliche gemeinnützige Organisation, die Standards für die Identifizierung, Kennzeichnung, Qualität und Reinheit von Arzneimitteln, Nährstoffen und Nahrungsergänzungsmitteln festlegt, hat Leitlinien zur Kontrolle der Tinkturkonzentrationen herausgegeben. Die Menge an aktiven Wirkstoffen in einzelnen Tinkturen ist nicht konstant. Tinkturen aus Heilpflanzen sollten 10 g Wirkstoff pro 100 ml Tunktur enthalten, was der empfohlenen UPS-Sättigung der Tinktur mit den Wirkstoffen entspricht. Falls die Kräuter mehr aktive Wirkstoffe enthalten, die den Alkohol selbst stärker sättigen würden, muss der Hersteller dies an die empfohlene UPS-Sättigung anpassen. Dies steht auch im Einklang mit der Unterzeichnung des internationalen Protokolls in Brüssel und mit den internationalen Standards. Wenn diese Standards nicht eingehalten werden, sind auch Tinkturen mit bis zu 50 g Wirkstoff pro 100 ml Tinktur auf dem Markt erhältlich, was zu schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen führen kann. Bei der Herstellung von Tinkturen werden zwei Variablen berücksichtigt, nämlich die Kräuterkonzentration und der Alkoholgehalt.

Die Menge der Heilkräuter im Lösungsmittel bestimmt die Stärke des Extrakts oder die Sättigung des Alkohols mit den Wirkstoffen der Heilkräuter. Die meisten Tinkturen werden im Verhältnis 1:4 oder 1:5 hergestellt, im British Pharmacy Book werden auch Verhältnisse von 1:3, 1:8 und 1:10 angegeben. Dies hängt natürlich von jeder einzelnen Kräuterpflanze ab. Die Extraktstärke kann in Prozent angegeben werden:

  • % w/w – Gewicht pro Gewicht (Wirkstoffmenge (g) in 100 g des Produkts),
  • % w/v - Gewicht pro Volumen (Wirkstoffmenge (g) in 100 ml des Produkts),
  • % v/v - Volumen pro Volumen (Volumen des Wirkstoffs (ml) in 100 ml des Produkts),
  • % v/w - Volumen pro Gewicht (Volumen des Wirkstoffs (ml) in 100 g des Produkts).

Zur Herstellung von Tinkturen kann Ethanol in verschiedenen Konzentrationen von 45%, 60%, 70% und 90% verwendet werden. Zur Herstellung von 70% Ethanol werden 70 Einheiten 96,4% Ethanol mit 30 Einheiten destilliertem Wasser gemischt. So zeigt Tinctura calami 1:5-70% BPC, dass wir diese Tinktur aus Acorus calamus-Wurzel in 1 Einheit Wurzel (in Gramm) und 5 Einheiten 70% Ethanol (in Volumen) mazeriert haben. BPC bedeutet, dass die Zubereitung gemäß den Anweisungen des British Pharmacy Book erfolgt.

Herstellung von Tinkturen nach Volkstradition

Alle frischen Kräuterplanzenteile fein hacken oder zermahlen und mit dem Kräutermaterial das Glas von ⅔ bis ¾ füllen. Falls Sie getrocknete Wurzeln verwenden, füllen Sie das Glas nur von ¼ bis ½. Über das Kräutermaterial Alkohol gießen, sodass sich das gesamte Material unter der Oberfläche befindet. Es muss darauf geachtet werden, dass das Glas voll mit Pflanzenmaterial gefüllt ist, sich aber während des Schüttelns bewegt.

Wenn Sie nur getrocknete Pflanzenteile haben, alle getrockneten Kräuterteile fein hacken oder zermahlen und das Glas von ½ bis ¾ füllen. Wenn Sie getrocknete Wurzeln verwenden, füllen Sie das Glas nur von ¼ bis ½. Über das Kräutermaterial Alkohol gießen, sodass sich das gesamte Material unter der Oberfläche befindet. Es muss darauf geachtet werden, dass das Glas voll mit Pflanzenmaterial gefüllt ist, sich aber während des Schüttelns bewegt. Sie sollten wissen, dass die Wurzeln Feuchtigkeit aufnehmen, dass ihr Volumen wächst.

Der Alkoholgehalt hängt vom Pflanzenmaterial ab:

  • 40-50% Alkohol - "Standard" Alkoholstärke, passend gut für getrocknete oder frische Kräuter, die nicht zu saftig sind.
  • 67,5-70% Alkohol - Geeignete Alkoholkonzentration für verdampfbare und aromatischere aktive Wirkstoffe und frische saftige Pflanzen, wie z.B. Melisse, Beeren und Wurzeln von aromatischen Pflanzen.
  • 85-95% Alkohol - Geeignet für Harze und Aromastoffe, die fest mit dem Pflanzenmaterial verbunden sind und sich nur leicht auflösen. Diese hochkonzentrierte Tinktur wird zugetropft und mit Wasser verdünnt.

Bewahren Sie das Glas an einem kühlen, dunklen und trockenen Ort auf. Mehrmals pro Woche gut schütteln und den Alkoholgehalt im Glas kontrollieren. Wenn der Alkohol verdunstet ist und Teile des Pflanzenmaterials nicht mehr mit Flüssigkeit bedeckt sind, muss der Alkohol nachgefüllt werden. Wenn das Pflanzenmaterial mit Luft in Kontakt kommt, entwickeln sich schnell Bakterien und Schimmelpilze. Nach sechs bis acht Wochen wird der Inhalt vorsichtig durch Gaze filtriert. Wenn sich nur Pflanzenmaterial in der Gaze befindet, drücken wir es vorsichtig zusammen, da genau dieses Material die aktivsten Wirkstoffe enthält. Gießen Sie die Tinktur in dunkle Tropfflaschen. Das verbrauchte Pflanzenmaterial kann leicht kompostiert werden.

Das Wichtigste ist jedoch, jede Flasche am Ende sorgfältig zu markieren bzw. etikettieren. So werden Sie zu jeder Zeit wissen, was in den Flaschen ist und wie Sie den gesamten Vorgang in der nächsten Saison wiederholen werden. Bewahren Sie die Flaschen mit der Tinktur auf einem kühlen und dunklen Ort auf. Sie sind mehrere Jahre haltbar.

Tinkturen können auf viele verschiedene Arten verwendet werden. Sie können unverdünnt, oder in kaltem oder heißem Wasser verdünnt verwendet werden. In warmem Wasser verdunstet der Alkohol und es verbleiben nur die aktivsten Wirkstoffe der Pflanze. Ein paar Tropfen Tinktur können auch in das Ganzkörperbad oder nur in das Fußbad gegeben werden, in Kompressen verwendet oder mit Öl und Wachs zu einer Salbe gemischt werden. Natürlich müssen wir darauf achten, dass die Herstellung von Tinkturen nach Volkstradition nicht ganz so präzise ist und die Verfahren nicht quantitativ wiederholt werden können. Daher konzentrieren wir uns nur auf mildere Pflanzen, bei denen die Dosierung nicht so wichtig ist.

 

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